Als erster Landwirt auf der Alb hat Johannes Traub Amaranth angebaut, ein Pseudo-Getreide aus Lateinamerika. Der Versuch ist - zum Erstaunen der Experten - gelungen.
ZWIEFALTEN-MÖRSINGEN Der Landwirt Johannes Traub in Zwiefalten-Mörsingen (Kreis Reutlingen) hat zum Erstaunen von Fachleuten das "Inka-Getreide" Amaranth erstmals auf der Schwäbischen Alb angebaut und kürzlich geerntet. Die weißen Samenkörner der pflegeleichten Pflanze mit den purpurroten Blütenrispen gelten als hochwertige und gesunde Nahrung. "Nach dem Versuch auf einem halben Hektar bin ich zuversichtlich", sagt der Bauer. "Im nächsten Jahr werde ich noch mehr anbauen."
Experten und Traub selbst sind überrascht, dass der Anbau von Amaranth im relativ rauen Albklima auf 600 Metern Höhe so gut gelungen ist. Das Pseudogetreide, ein Fuchsschwanzgewächs, stammt aus dem subtropischen Lateinamerika. Vielleicht habe er Glück mit dem milden Frühling gehabt, meint der Bauer. Nach der Aussaat Ende April habe sich lange nichts geregt, dann sei die Pflanze hochgeschossen und bis zur Brusthöhe gewachsen.
Unnötig sei Schädlingsbekämpfung, und Dünger müsse nur sparsam verwendet werden. Auch der Mähdrusch sei gelungen - ähnlich wie bei Hirse und Sesam.
Weil Amaranth der so genannte Kleber fehlt, ist er unter anderem bei Weizenallergikern beliebt. Vor der Verwendung muss man die sehr harten Körner quellen lassen. Amaranth kann als Grützbrei angerichtet werden, er gilt aber auch als ideale Zutat für Dessertcremes, würzigen Brotaufstrich, Müsli, Kekse und Brot. Die Körner enthalten hohe Anteile von wertvollem Eiweiß, ungesättigten Fettsäuren, Mineralstoffen (Kalzium und Eisen), Vitaminen und Ballaststoffen. Den größten Teil seiner diesjährigen Ernte hat Traub an einen Bäcker in Römerstein (Kreis Reutlingen) verkauft. Kleine Portionen sind auch auf dem Hof zu haben.
Der 39-jährige Traub holte sich für sein Experiment mit Amaranth wissenschaftlichen Rat bei Paul Schweiger von der Landesanstalt für Pflanzenbau in Rheinstetten-Forchheim bei Karlsruhe. Dort wird seit etlichen Jahren Amaranth gezüchtet. Einige Bauern im milden Rheintal machen schon mit.
Ein alter Bekannter ist Amaranth auch auf der Versuchsstation Ingerhof der Universität Stuttgart-Hohenheim in Renningen (Kreis Böblingen). "Die Pflanze gedeiht gut, das funktioniert seit über zehn Jahren", weiß dort der promovierte Landwirt Ernst Kübler.
Südwestpresse in Ulm
http://www.gruenblatt.de/oikolinks/amaranth.html